Internationales Jesuiten-Gymnasium mit Internat für Jungen und Mädchen

Abiexerzitien

Abiexerzitien
Für Abiturienten besteht in den letzten Tagen vor Weihnachten die Möglichkeit, ignatianische Exerzitien kennen zu lernen. Sie werden in verkürzter Form angeboten (fünf Tage) und bieten die Chance, die geistlichen Meditationsübungen des Heiligen Ignatius am eigenen Leib zu erleben. Durchgehendes Schweigen und vier bis fünf Übungseinheiten am Tag bilden den Rahmen, mit sich selbst und mit Gott in Kontakt zu sein.

Abiexerzitien 2009

Am Montagnachmittag der letzten Schulwoche vor Weihnachten 2009 machten sich 16 Schüler der Kursstufe 13 mit Pater Joos und zwei Begleiterinnen auf den Weg nach St. Trudpert im Münstertal. Das Kloster, das von den Josefsschwestern geleitet wird, liegt ein wenig oberhalb des Tals, ist von Wald umgeben und bietet somit gute Voraussetzungen, den alltäglichen Trubel zu vergessen.

Nach der Ankunft am späten Nachmittag bezog jeder von uns sein Einzelzimmer, um sich dann, nach einem guten Abendessen, im Meditationsraum einzufinden. Dort wurde uns von Pater Joos, unserem Exerzitienbegleiter, alles Notwendige für die kommenden Tage im Schweigen erklärt. Er gab uns manche Tipps und Tricks mit auf den Weg, dass für einen selbst aber auch für die Anderen die Woche ein Erfolg werde.

Nachdem der theoretische Teil geklärt war, wurden wir zu unserer ersten Meditation angeleitet. Ab diesem Zeitpunkt herrschte Schweigen. Gleich am nächsten Morgen stand auf dem immer gleich ablaufenden Tagesplan der „Wahrnehmungsspaziergang“. Wir machten uns auf, um unsere Sinne zu öffnen und die Welt um uns intensiv wahrzunehmen. Dies mag sich zuerst ein Mal merkwürdig anhören, doch ist es erstaunlich wie viele Geräusche um einen herum existieren, die im alltäglichen Trubel untergehen.

Nach diesem halbstündigen Spaziergang, gab es erst einmal Frühstück. Im Anschluss daran folgte die erste von vier täglichen Meditationen, deren Inhalt sich immer unterschied. Zu Beginn der Exerzitien ging es zu erst einmal darum sich selbst zu finden, um dann im Verlauf der Exerzitien die Meditation immer weitgreifender werden zu lassen. Ich möchte dies hier nicht zu weit ausdehnen, da die Erfahrungen, die man in den Meditationen macht, von Mensch zu Mensch vollkommen verschieden sind. Es gibt verschiedene Arten von Meditationen, die Traumreisen, Selbstbetrachtungen oder Bibelstellen behandeln.

Im Anschluss an die erste Meditation waren wir bis zum Mittagessen wieder für uns. Die Zeit konnten wir entweder für Spaziergänge, um Tagebuch zu schreiben oder auch für die zweite Meditation nutzen. In dieser selbständig abgehalten Meditation sollten wir die erste Meditation wiederholen oder eine vom Exerzitienbegleiter vorgeschlagene Alternative ausprobieren. Dabei sollten die Erfahrungen aus der ersten Meditation intensiviert werden.

Nachdem immer sehr guten Mittagessen stand dann die dritte Meditation an, die wieder angeleitet wurde. Danach hatten wir wieder Zeit für uns, in der wir die Meditation wiederholen oder anderweitig uns beschäftigen konnten. Da wir keine Unterhaltungselektronik oder Bücher mitnehmen durften, lasen die einen in der Bibel, die als einziges Buch erlaubt war, oder man wurde kreativ und malte, schnitzte ...

Vor dem Abendessen feierten wir täglich eine Messe, in der wir von uns selbst ausgesuchte Lieder sangen. Vor dem Schlafengehen blickten wir noch einmal auf den vergangen Tag in einer Meditation zurück. Im Anschluss konnte man sich bei einer Geschichte und Musik auf die kommende Nacht einstimmen.

Eine Woche Schweigen - anfangs kam mir das sehr schwierig vor, doch es entpuppte sich als eine sehr bereichernde Erfahrung, die von vielen Gedanken über sich und die eigene Umwelt geprägt war.

Philipp Sauer (Abitur 2010)