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P. Rieder SJ legt die letzten Ordensgelübde ab

Kurz nachdem die Schüler des Kollegs Zeugnisse entgegennahmen und in das zweite Schulhalbjahr starteten, erhielt Kollegsdirektor P. Hans-Martin Rieder SJ vom Provinzial der Gesellschaft Jesu auch ein Zeugnis und gab gleichzeitig selbst eines.
Am Sonntag, den 6. Februar bestätigte der aus Niederbayern stammende Jesuit seine Gelübde, die er erstmalig am Ende seines Noviziats 2011 ablegte. P. Hans-Martin Rieder SJ legte die Gelübde der Armut, des Gehorsam und der Keuschheit im Beisein des Provinzials der Zentraleuropäischen Provinz P. Bernhard Bürgler SJ in einem feierlichen Gottesdienst im Dom zu St. Blasien ab; zahlreiche Jesuiten konzelebrierten. Das Datum der Feier hat er bewusst gewählt und möchte hiermit einerseits seine Verbindung zu seiner gegenwärtigen Destination, St. Blasien, und andererseits zu seinem Mitbruder, P. Alfred Delp SJ, äußern, da die Kirche einige Tage zuvor dem Heiligen Blasius gedenkt und an den Todestag des von den Nazis hingerichteten Widerstandskämpfers erinnert hat. P. Delp SJ war am Kolleg St. Blasien tätig und hatte seine letzten Gelübde als Gefangener der Gestapo abgelegt.
Dass der Kollegsdirektor in St. Blasien gut aufgenommen ist, beweist die große Anzahl an Schülern und Mitarbeitern, die den Gottesdienst mit Musik oder anderen Diensten mitgestalteten. Ein Soloquartett der Fachschaft Musik eröffnete musikalisch die Heilige Messe mit „Jesus Christ You are my Life“ und bereits die Wahl dieses Liedes zeigt, worum es dem Jesuiten geht, sein Leben an Jesus zu orientieren und dessen Botschaft zu verkünden, auch in einer Gesellschaft, in der „die Situation der Kirche mehr als schwierig ist“, so Rieder SJ. Auch die vorgetragene Perikope aus dem Lukasevangelium kann dazu beitragen, zu verstehen, um was es bei einem Gelübde geht – Petrus erhält von Jesus eine Verheißung: Von jetzt an wirst du Menschen fangen. Diese Verheißung ist jedoch, zwar kein ausdrücklicher Ruf zur Nachfolge, aber Petrus spürt in dieser Situation die Beziehung zu Gott besonders: P. Hans-Martin Rieder SJ hat sich lange geprüft, ob er für die Nachfolge Jesu bereit ist und die Gelübde ablegen sowie leben kann: „Die Entscheidung von 2011 hat sich für mich in den letzten Jahren und in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen bestätigt und vertieft“, so Rieder SJ weiter. Die Gelübde erachtet der Kollegsdirektor nicht als Last: „Die Gelübde und die damit verbundene Bindung an den Orden geben mir die Freiheit für ein Leben, so wie es für mich erfüllend, glücklich und sinnvoll ist.“ Nicht nur P. Hans-Martin Rieder SJ legte in dieser Messe vor der Kommunion ein Zeugnis ab, sondern P. Provinzial Bernhard Bürgler SJ bestätigte einen gegenseitigen Bund zwischen der Gesellschaft Jesu und P. Hans-Martin Rieder SJ, der „bis zum Lebensende halten soll“, erklärt Rieder SJ. Neben der Fachschaft Musik bereicherten Eiko Maria Yoshimura an der Orgel, Altkollegianer Clemens Losch an der Trompete und Elias Hopmann mit der Violine den Gottesdienst musikalisch. Darüber hinaus war ein besonderes Element der Feier zum Gloria des Gottesdienstes die Kollegshymne „Ad maiorem Dei gloriam“ des Mädchenchors der Unter- und Mittelstufe unter der Leitung von Maria Backhaus, die wohl jeder Kollegianer auch viele Jahre nach dem Abitur singen kann. Nach dem Schlusssegen und Auszug aus dem Festgottesdienst wurde der Blasiussegen an die Gläubigen ausgeteilt. Dieses Festwochenende markiert für das Kolleg St. Blasien und die Gesellschaft Jesu ein freudiges und besonderes Ereignis, das ermutigen soll, die eigene Berufung zu entdecken und sich zu entscheiden.
Am Abend vor dem Gottesdienst hielt P. Prof. DDr. Felix Körner SJ in der Pater-Alfred-Delp-Halle zur Einstimmung einen beeindruckenden und nachdenklich machenden Vortrag über P. Alfred Delp SJ, den bekannten Namensgeber der Kollegssporthalle und ehemaligen Lehrer und Erzieher am Kolleg. Der Professor am neuen Institut für Katholische Theologie an der Humboldt-Universität zu Berlin sprach über »Alfred Delps andere Hälfte«. Pater Körner hat den Nikolaus-Cusanus-Lehrstuhl für Theologie der Religionen inne und unterrichtet mit muslimischen Theologinnen und Theologen zusammen. Der Jesuit Delp wurde in den letzten Kriegswochen vom Hitler-Regime hingerichtet, zuvor legte er im Todestrakt des Gefängnisses in Berlin Tegel seine letzten Gelübde ab. Die Nationalsozialisten fürchteten sich vor dem christlichen Glauben. Zudem störte sie die Freundschaft des katholischen Denkers Delp mit dem evangelischen Grafen Helmut James von Moltke. Wenn wache, kritische evangelische und katholische Christen zusammenwirken, hat ein totalitäres Regime keine Chance – das sahen auch die Nazis. Sie versuchten den Widerstand zu ersticken; ihr Erfolg war allerdings nicht von Dauer. „Was war Alfred Delps Kraftquelle in dieser Gewaltherrschaft?“ fragte Pater Körner. „Delp wagte es, die ganze Wirklichkeit wahrzunehmen. Delp, der kritische Geist, sieht die Wirklichkeit des Unrechts. Die Klarsicht gibt ihm Energie. Er wehrt sich, wo er kann. Aber das ist nur die eine Hälfte. Delp, der christliche Geist, konnte auch die Wirklichkeit Gottes wahrnehmen“, so die Antwort von Pater Körner. Nachdem das Todesurteil über Pater Delp gesprochen ist, lässt er einen Brief aus dem Gefängnis schmuggeln. Er schildert darin die Wut der Nazis und ihre Angst vor Menschen, die christlich glauben. Er merkt nun, wie er, der Verurteilte, selbst zum Zeugen gegen das Unrecht wird. Er spürt, dass sein Leben einen Sinn bekommen hat: ein Thema, für das sich leben und sterben lässt. Das Zeugnis des Widerstandskämpfers Alfred Delp zeigt den Weg aus der Depression heute. „In den Krisen unserer Tage darf man auch nicht nur die eine Hälfte sehen“, so Körner.

 

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