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Gedenkstättenfahrt der neunten Klassen

Alle neunten Klassen des Kollegs fuhren Ende Februar 2026 in die Gedenkstätte Natzweiler-Struthof im Elsass. Im ehemaligen Konzentrationslager Natzweiler-Struthof wurden zwischen 1941 und 1944 über 50.000 Häftlinge aus ganz Europa gefangen gehalten. Etwa 17.000 Menschen starben dort unter unmenschlichen Bedingungen, durch Zwangsarbeit oder gezielte Tötungen. Wie viele andere Konzentrationslager bauten die Nationalsozialisten auch dieses Lager streng organisiert. 
Das und viele andere Faktoren lassen die Gedenkstätte bis heute sehr bedrückend und grausam wirken. Ich persönlich konnte auf der Exkursion viele neue Eindrücke sammeln. Besonders lange musste ich über die Menschenexperimente nachdenken. Sie spielten in Struthof eine große Rolle und zeigen sehr deutlich die Grausamkeit und die Abwertung der Häftlinge durch die Nationalsozialisten. Diese sogenannten „medizinischen Experimente“ fanden im Block 13 statt. Unter der Leitung der Medizinprofessoren August Hirt, Otto Bickenbach und Eugen Haagen von der Reichsuniversität Straßburg wurden Häftlinge für Versuche missbraucht. 
Dabei untersuchten die Ärzte zum Beispiel die Wirkung von Senfgas oder testeten Impfstoffe gegen Krankheiten wie Fleckfieber oder Typhus. Senfgas ist ein chemischer Kampfstoff, der eine hochgradig toxische und verätzende Wirkung auf die Haut und Atmungsorgane des Menschen aufweist. Er gehört zu den gefürchtetsten chemischen Waffen des 20. Jahrhunderts. Auch Versuche zur Sterilisation wurden durchgeführt. Besonders erschreckend ist, dass viele Mordbefehle in Struthof von Ärzten ausgingen. Sowohl aus damaliger als auch aus heutiger rechtlicher und moralischer Sicht ist das kaum vorstellbar. Die Häftlinge wurden so stark entmenschlicht, dass ihre Körper sogar für eine sogenannte „Skelettsammlung“ der Reichsuniversität genutzt werden sollten. Dieses Projekt wurde von dem Anatomieprofessor August Hirt geleitet. Dafür wurden 86 jüdische Männer und Frauen aus Auschwitz nach Natzweiler deportiert – eine etwa zehnstündige Fahrt in den Tod. In Natzweiler wurden sie schließlich in einer Gaskammer ermordet. 
In einer Quelle des Überlebenden Sinto August Kreitz (geb. 1922) erfahren wir mehr über seine persönlichen Erlebnisse.  Er beschreibt die medizinischen Experimente als „eines der grausamsten Dinge“, die er je erleben musste. Die Häftlinge wurden völlig isoliert. Er schildert auch den Ablauf der Experimente und berichtet: „Als wir mit hohem Fieber dalagen, hat man uns einfach liegen gelassen.“ Besonders solche Aussagen machen deutlich, wie grausam diese Versuche waren.
Auch durch die Aussagen des Lager-Kommandanten Joseph Kramer, der für die Ermordungen in Natzweiler verantwortlich war, wird deutlich, wie stark die Nationalsozialisten von ihrer Ideologie und Propaganda beeinflusst waren. Kramer berichtete zum Beispiel vom Schreien der Frauen, die zu den ersten Opfern in Natzweiler gehörten. Gleichzeitig sagte er, dass er nicht einmal wusste, was nach ihrem Tod mit den Körpern passieren würde. Trotzdem führte er den Befehl von August Hirt aus – und war damit verantwortlich für die Ermordung vieler Menschen. 
Ein weiterer Ort, der bei mir einen starken Eindruck hinterlassen hat, war der Arrestbunker. Er wurde 1943 eingerichtet, und Häftlinge wurden dort bis zu 42 Tage eingesperrt. Die Zellen waren dunkel, und von außen wurden sogar Holzläden vor die kleinen Fenster geschoben, damit noch weniger Licht hineinkam. Besonders grausam waren kleine Schächte, in die Häftlinge gebracht wurden, wenn sie später hingerichtet werden sollten. Diese waren nur etwa 1,3 Meter hoch und hatten ein Volumen von ungefähr einem halben Kubikmeter. In diesen engen Räumen konnte man weder stehen noch sitzen oder liegen. Ursprünglich waren diese Nischen eigentlich Heizungsschächte gewesen. Beim Vorbeigehen fallen sie zunächst gar nicht auf, weil sie so klein sind. Es ist kaum vorstellbar, dort auch nur wenige Minuten auszuhalten. Zeitzeugen berichteten außerdem, dass diese Räume so gestaltet waren, dass die Gefangenen ihr Zeitgefühl verloren. 
Außerdem gab es Berichte über einen sogenannten Prügelbock. Die Nationalsozialisten hatten eine Liste mit „Straftaten“ erstellt, in der genau festgelegt war, wie viele Schläge jemand dafür bekam. Zum Beispiel 15 Schläge für Arbeitsverweigerung oder 25 für die Vorbereitung eines Fluchtversuchs. Die Betroffenen wurden dabei mit Händen und Füßen an ein Brett gebunden und mussten jeden Schlag laut mitzählen. Auch das zeigt noch einmal deutlich, wie stark die Häftlinge entmenschlicht wurden. 
Unsere Exkursion zur Gedenkstätte Natzweiler-Struthof, war sehr emotional, aber auch sehr lehrreich. Durch erhaltene Denkmale, historisch-nahe Nachbauten und von den Lehrkräften bereitgestelltes Informationsmaterial, konnten wir viel neues Wissen und viele neue Eindrücke über dieses schwierige Thema sammeln.
Mir persönlich blieb die Ausfahrt noch lange in Gedanken. Sie gibt uns einen Einblick in eine unvorstellbar schreckliche Zeit, mit der wir uns weiterhin thematisch auseinandersetzen müssen. Was dort geschah, ist nicht in Worte zu fassen.
Carlotta Heroldt (9c)
 

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