Drei Jahrzehnte Euroklasse am Kolleg
Vor 30 Jahren ins Leben gerufen, ist sie heute eine beeindruckende Erfolgsgeschichte und ein hervorragendes Modell für Integration und internationale Bildung: die Euroklasse am Kolleg St. Blasien. Was 1994 mit 17 Schülerinnen und Schülern aus aller Welt begann, hat sich längst zu einer etablierten Institution mit weltweitem Ruf entwickelt, die die internationale Atmosphäre des Kollegs maßgeblich prägt.
Die Idee entstand bereits 1993: Schülerinnen und Schüler ohne Deutschkenntnisse sollten gezielt und strukturiert gefördert werden. Die beiden ehemaligen Kollegslehrer Florita und Bernhard Schmidle (Kolleg-Schulleiter von 1999-2011) entwickelten als Pioniere ein Programm mit intensivem Sprachunterricht und kultureller Bildung mit deutschem Bezug. Die ersten Jugendlichen kamen aus Polen, Frankreich, Japan, Mexiko, England, den USA und weiteren Ländern – damals noch mühsam und ohne Internet über das Jesuitennetzwerk, Botschaften und Goethe-Institute vermittelt.
Heute trägt Barbara O’Reilly die Verantwortung für die Euroklasse am Kolleg, die sich in den vergangenen drei Jahrzehnten erheblich weiterentwickelt hat. „Allein dass wir vor zwei Wochen über 75 Euroschüler zur Goethe-Prüfung angemeldet haben, symbolisiert die unglaubliche Entwicklung der Euroklasse“, betont die langjährige Kollegslehrerin. Inzwischen unterrichten fünf Lehrkräfte fast 80 Jugendliche auf unterschiedlichen Sprachniveaus.
Spätestens seit der Flüchtlingskrise 2015 hat sich die Euroklasse als zentrale Säule schulischer Integration bewährt. „Damals haben wir mitten im Schuljahr spontan eine Vorbereitungsklasse gegründet. Es ging zunächst nur darum, Deutsch zu lernen – über den weiteren Schulweg wurde später entschieden.“ Einige dieser Jugendlichen haben mittlerweile ihren Schulabschluss erreicht oder sogar ein Studium aufgenommen. „Einer unserer ersten Flüchtlingsschüler studiert heute in Heidelberg – wir haben ihn dort letzte Woche besucht“, berichtet Barbara O’Reilly mit Stolz.
Der Angriffskrieg gegen die Ukraine brachte eine neue Welle junger Menschen ans Kolleg: „Heute lernen fast 50 ukrainische Schülerinnen und Schüler in unseren Sprachklassen. Neben dem Unterricht bei uns absolvieren viele zusätzlich Online-Unterricht in der Ukraine – ein volles Lernprogramm.“
Trotz großer Herausforderungen sei das zentrale Ziel über all die Jahre unverändert: „Wir müssen den hunderten von Schülerinnen und Schülern Respekt zollen, die diese Deutsch-Kurse erfolgreich bewältigen. Es ist ein intensives Lernen, oft mit hohem Tempo. Wer die B2-Prüfung schafft, kann anschließend am regulären Unterricht teilnehmen – viele legen später erfolgreich das Abitur ab.“
Einen ausführlichen Pressebericht über diese Erfolgsgeschichte gibt es in der Badischen Zeitung vom 8. Juli 2025. Am Freitagvormittag, 18. Juli, wird das 30-jährige Bestehen mit einer Feierstunde am Kolleg gewürdigt.