Workshops zu Migration und Friedensbildung
Das Haus der Heimat in Stuttgart ist eine Dienststelle des baden-württembergischen Innenministeriums, die sich mit der Geschichte, der Kultur und den Erfahrungen von Menschen beschäftigt, die aus ihrer Heimat fliehen mussten oder vertrieben wurden. Es dient häufig als Anlaufstelle für Heimatvertriebene, Spätaussiedler sowie deren Nachkommen. Ziel ist es vor allem, die Erinnerungen an ihre Herkunftsregionen zu bewahren und ihre kulturellen Traditionen lebendig zu halten und den Dialog zwischen unterschiedlichen Generationen zu fördern. Die Einrichtung trägt zur Aufarbeitung der deutschen Migrationsgeschichte bei und organisiert zum Beispiel einen Wettbewerb für Schülerinnen und Schüler zum Thema Flucht und Vertreibung. Außerdem bietet das Haus der Heimat viele Ausstellungen, Bildungsangebote und Veranstaltungen an, um historische Zusammenhänge und die Bedeutung von Integration und kulturellem Austausch zu vermitteln.
Die Schülerinnen und Schüler des Seminarkurses „Frieden und Kulturen“ machten am 13.11.2024 einen Workshop zum Thema Migration, der vom Haus der Heimat angeboten wurde. Nach der Begrüßung der Referentinnen Dr. Diane Dingeldein und Jana Drah, die das Haus der Heimat vorstellten, nutzte der Kurs den hinteren Bereich des großen Klassenzimmers D3, um erst einmal wichtige Begriffe zu klären, die mit dem Thema Flucht und Vertreibung zu tun haben. Danach wurde eine große Karte ausgebreitet, auf der die Gegenden markiert waren, in denen Deutsche als Minderheit leben oder gelebt haben.
Anschließend wurde der Kurs in Gruppen aufgeteilt, die sich jeweils mit der Biografie einer Person beschäftigten, die ihre Heimat verließ. Diese Migrationsbiografien waren von Menschen unterschiedlichen Alters und aus unterschiedlicher Zeit. Sie waren aus unterschiedlichen Gründen aus Deutschland in den Osten oder aus dem Osten in den Westen – nach Deutschland – migriert. Nach mehreren Arbeitsphasen fand sich der Kurs immer wieder zusammen und präsentierte bestimmte Teile der jeweiligen Migrationsgeschichte. Eine Aufgabe war es zum Beispiel, das Ankommen dieser Personen in ihrem „neuen Zuhause“ und ihre Zukunftsperspektiven zu untersuchen. Am Ende hatte man noch die Möglichkeit, Grüße und Fragen aufzuschreiben, die man dieser Person mitteilen wollte. Dabei wurde deutlich, mit welchen Problemen und Herausforderungen der Verlust der Heimat verbunden ist.
Am 27.11.2024 besuchte die Bildungsreferentin für politische Bildung Ann-Britt Ohlsen den Seminarkurs Frieden und Kulturen und klärte in einem Workshop über Konflikte und Friedenslösungen auf. Zunächst machte der Kurs ein Brainstorming über das Thema Frieden und positionierte sich zu verschiedenen Fragestellungen zum Thema Konflikte auf einer Positionslinie. Somit wurden verschiedene Meinungen und Haltungen innerhalb des Kurses beleuchtet. Anhand einer aktiven Aufgabe, in der verschiedene Gruppen unterschiedliche Ziele verfolgten, wurde deutlich, wie wichtig es ist, in Konfliktsituationen empathisch zu denken und auf Konfliktparteien eingehen zu können. Jede Gruppe musste die Stühle im Klassenraum gleichzeitig auf eine jeweils andere Art positionieren, ohne die Ziele der anderen zu kennen. Erst als die Gruppen direkt miteinander kommunizierten, war es möglich, einen Kompromiss zu finden, der alle Ziele vereinte.
Im zweiten Teil des Workshops rekonstruierten wir ebenfalls in Gruppen einen beispielhaften Konfliktverlauf und diskutierten, ab welchem Punkt man von einer Eskalation des Konflikts sprechen kann und wann die Unterstützung durch eine externe Partei benötigt wird. Der Kurs analysierte den Konflikt anhand des Phasenmodells der Eskalation nach Friedrich Glasl, das veranschaulicht, ab wann ein Konflikt noch für beide Parteien positiv ausgehen kann und ab wann keine Lösung mehr zu finden ist. Zentrale Kategorien waren hierbei win-win, win-lose und lose-lose. Der Workshop wurde mit einem Rollenspiel beendet.
Beide Workshops waren sehr abwechslungsreich. Sie gaben Aufschluss über ein friedliches Miteinander und den Umgang mit Konflikten. Die vielen aktiven Arbeitsaufträge motivierten die Schülerinnen und Schüler und vertieften bereits bekannte Konzepte wie Migration und Friedenslogik.
Wir bedanken uns herzlich beim Haus der Heimat, bei Ann-Britt Ohlsen und beim Förderverein des Kollegs.
Karl Jaklin, Felicia Koss, Noemi Schneider, Anna Strelzof (KS11)