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24 ukrainische Kinder lernen am Kolleg

24 mit ihren Eltern geflüchtete ukrainische Kinder und Jugendliche ab Klassenstufe 5 nehmen derzeit am Unterricht des Kollegs teil. Alle kommen aus der Raumschaft St. Blasien. Sie sitzen in den ganz normalen Klassen ihrer Altersstufen – nur dass viele von ihnen wegen der Sprachbarrieren nicht mitkommen. Deshalb ist das derzeit wichtigste Unterrichtsziel, die deutsche Sprache zu vermitteln, sagt Cathrin Stoll, stellvertretende Kollegs-Schulleiterin. Susanne Filz von der Badischen Zeitung hat mit Frau Stoll über die schulische Integration und Hilfsangebote am Kolleg gesprochen - BZ-Artikel (7. April 2022):
"In dieser Hinsicht bekommen die Kinder viel Unterstützung – durch sprachpädagogische Angebote und von gleichaltrigen Schülerpaten, die den neuen Mitschülern mit Rat und Tat zur Seite stehen, nicht nur was die Sprache betrifft.
Idealerweise kommen auf jedes ukrainische Kind jeweils zwei Paten oder Patinnen, die mit ihm in die gleiche Klasse gehen. Und haben in ihrer Heimat Englischunterricht gehabe – das hilft. Einige können sogar Deutsch, denn das wird in ihrem Heimatland ebenfalls als Unterrichtsfach angeboten. Außerdem gibt es eine Lehrerin, die Russisch spricht, und russischsprachige Schülerinnen und Schüler, die beim Übersetzen helfen und sich ebenfalls als Paten der neuen Klassenkameraden engagieren.
Die Paten helfen den neuen Klassenkameraden auch, sich in dem wahrlich weitläufigen Kollegsgebäude zurechtzufinden, und darauf achten, dass ihre ukrainischen Mitschüler den richtigen Bus für die Heimfahrt erwischen. „Was ich wahrnehme, ist, dass es unter den Jugendlichen ein großes Bemühen gibt, sich zu verständigen und miteinander auszutauschen“, sagt Cathrin Stoll.
Der Deutschunterricht am Kolleg lehnt sich an das Lernmodell der Euro-Klasse an: Die ukrainischen Jugendlichen erhalten täglich jeweils eine Doppelstunde Deutschunterricht für Anfänger am Vormittag. Derzeit findet die Deutsch-Doppelstunde für alle Altersklassen gemeinsam statt. „Jetzt kristallisieren sich, je nach Vorerfahrung und Alter, aber schon die Unterschiede heraus, bald wird die Gruppe geteilt.“
Zweimal pro Woche, jeweils dienstags und donnerstags, findet ein Spielenachmittag für jüngere Kinder statt. Während die Kinder spielen, findet für die Schüler-Eltern, bevor sie am Kolleg ihren Nachwuchs abzuholen, ein gemeinsames Kaffeetrinken statt. Aus diesen Treffen heraus sei bei den Erwachsenen der Wunsch entstanden, ebenfalls Deutsch zu lernen – was das Kolleg dann auch möglich gemacht habe, so Cathrin Stoll.
Am Kolleg beginnen die Osterferien schon am kommenden Wochenende. Doch in den ersten vier Ferientagen, von Montag bis Donnerstag, findet für die ukrainischen Schülerinnen und Schüler trotzdem ein Deutsch-Intensivkurs in zwei Altersklassen statt. Gelernt wird jeweils von 9 bis 15 Uhr. Dabei unterstützen Elternbeiräte die Lehrkräfte. Das erste ukrainische Kind war, vermittelt von Pfarrerin Lisa Rudzki, am 24. März ans Kolleg gekommen. Für die Zukunft rechnet man am Kolleg nun mit weiteren Schülern aus dem kriegsgeschüttelten Land. Doch wie erfährt das Kolleg von den neuen ukrainischen Kindern und Jugendlichen im Raum St. Blasien? „Wir werden in der Regel von den Leuten informiert, bei denen die geflüchteten Familien untergebracht sind“, berichtet Cathrin Stoll. Kann sich Cathrin Stoll auch vorstellen, dass wie andernorts eines Tages geflüchtete ukrainische Lehrkräfte Online-Unterricht in der Muttersprache der Kinder abhalten werden? „Das müssen wir sehen. Nach und nach wird uns gesagt, wo es ukrainische Lehrer in der Region gibt“, sagt sie.
Jetzt sollen sich die Kinder vor allem in der fremden Umgebung einleben. Ein wenig helfen konnte ihnen dabei vielleicht auch ein Willkommensheftchen, das eine Lehrerkollegin kreiert hatte. Darin findet sich etwa ein Ukrainisch-Deutsch-Wörterbuch in Bildsprache, ein Lageplan vom Kolleg oder der Stundenplan."
Quelle: Badische Zeitung 7. April 2022

 

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