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Vier Wochen Sambia

Schülerinnen und Schüler der Arbeitsgemeinschaft "Friends with Kasisi" unterstützen ein bemerkenswertes Landwirtschaftsprojekt der Jesuiten in Sambia. Kürzlich verbrachte eine Gruppe zusammen mit ihrem AG-Leiter und Kollegslehrer Stefan Seeherr vier eindrucksvolle Wochen in Kasisi - ein ausführlicher Erfahrungsbericht von Felicia Berrisch:
Am 17. März startete unsere abenteuerliche Reise nach Sambia ins Kasisi Agricultural Training Centre. Nach vielen Stopps unter anderem in Zürich, in Amsterdam und einer langen Nacht im Flughafen Nairobi werden wir von Pater Claus Recktenwald SJ am Flughafen in Lusaka/Sambia empfangen. 
Kaum angekommen, schmeißen wir unser Gepäck in unsere Zimmer bei der Mission und fahren direkt ins Centre. Wir sind total aufgeregt, die Studenten des Diplomprogramms in Agroecology im KATC zu treffen. Und schon treffen wir auf die ersten Studentinnen Astrida und Christabel, die uns sofort in ihre Arme schließen.
Aber was ist Agroecology und was lernen die Studenten dort? Das Programm, zusammengesetzt aus den Worten Agriculture (Landwirtschaft) und Ecology (Ökologie), soll eine intensive Auseinandersetzung mit ökologischer Landwirtschaft erfahren werden. Die Studentinnen und Studenten des Programms leben vor Ort und erlernen in verschiedenen theoretischen Modulen, aber auch praktischen Kursen über zwei Jahre, wie ohne künstlichen Düngern, mit eigenen Samen und ohne Pestizide Landwirtschaft betrieben wird. Nach zwei Jahren erlangen sie das Diplom am Kasisi Agricultural Training Centre – dieses Jahr zum ersten Mal.
Während der ersten Tage helfen wir unseren Freundinnen und Freunden bei den Videodrehs der Einladungen für das anstehende 50-jährige Jubiläum des KATC am 12./13. April, bei der Feldarbeit, beim Entfernen von sehr stacheligen Sträuchern auf den Feldern, die keine Chance gegen uns haben, oder auch beim Wiederherrichten eines Hauses für den Peace Corps aus Amerika. Unter anderem zeigt uns Gabriel den sambischen Rasenmäher: Die Sichel. Traditionell auch Slasher genannt, mit der er das Graß hoch in die Lüfte fliegen lässt. Wir brauchen definitiv noch sehr viel Übung. 
Im Verlauf der nächsten zwei Wochen leben wir förmlich in der Plastik-Station, einem Aufgabenbereich der Agroecology-Studenten. Von Müll und Schrott entsorgen, über Kassettenhüllen sortieren, ein Sortierungssystem entwickeln, die Kassetten in Einzelteile zerlegen, bis hin zum Trennen und Shreddern sind wir jetzt Profis im Recycling. Nach 4 Stunden an einem Tag in der Shed war nicht nur der Lautsprecher erschöpft. 
Um auch den Hauptgedanken des KATC in Kasisi zu verbreiten, besuchen wir an einem freien Nachmittag die „Kasisi Girls Secondary School“, wo wir mit einem rasenden Applaus begrüßt werden. In einem einstündigen Meeting mit den 500 neugierigen Mädels diskutieren wir mit ihnen in Sachen „Plastik in der Natur“, ob „Plastik gesund für den Menschen“ ist, „Wie man die Umweltverschmutzung durch Plastik stoppen kann und was „Recycling“ überhaupt ist, auf. Im Weiteren sammeln wir gemeinsam noch Lösungsvorschläge für ein sauberes Kasisi, z. B. Plastik im Vorbeigehen mitnehmen und bei ihrer Schule sammeln, so dass das KATC diesen in der Plastik-Station verwerten kann. Außerdem wird es in Zukunft möglich sein, in der Plastik-Station mithelfen und zusammen mit den Students mehr über Plastikrecycling lernen. Das Ganze beruht darauf, eine neue Denkweise zu entwickeln und auch in Zukunft mehr auf Plastik achten und diesen Gedanken weiter zu verbreiten, da Plastik in Sambia meist in der Natur landet. Nach anschließenden längeren Gesprächen mit den Mädchen mussten wir uns leider von ihnen verabschieden. Der Kontakt wird jedoch über Social Media aufrechterhalten, was uns sehr freut. 
Bei einem Ausflug nach Chongwe besuchen wir zwei erfolgreiche Bauern, die durch das Diploma-Programm des KATC die verschiedenen Strategien und Maßnahmen erfolgreich zur Implementierung von Agroecology in ihrem Leben genutzt haben. Als erstes sind wir bei Royd Michelo zu Gast. In einem kurzen Meeting unter den erfrischenden Bäumen in seinem Garten erklärt er uns, was er alles gelernt hat, wie er seine Ernten ohne großen Verlust durch die Trockenzeit und Regenzeit bringt und erfolgreich seine Ernte für seine Familie und seine Kunden zusammenkriegt. Bei einer anschließenden Führung zeigt er uns verschiedene Möglichkeiten zum nachhaltigen und bewussten Anbau hauptsächlich von Gemüse und Obst. Im Anschluss besuchen wir nicht so weit entfernt noch Mr. Moses, der uns auch in einem kurzen Meeting begrüßt und darauf seinen Hof zeigt. Genau wie Mr. Michelo hält er Tiere wie Schweine, Hühner, Ziegen und zusätzlich noch Bienen. Neben der Tierhaltung hat er ebenso einen Gemüse- und Obstgarten und hat sogar über das vergangene Jahr Wassergräben für die Regenzeit gegraben, um das Wasser besser nutzen zu können. 
Durch die zwei Besuche wird uns nochmals klar, wie viele Chancen, Strategien und Maßnahmen einem Menschen durch das Programm des KATC geboten werden.
Neben der Arbeit und vielen Besuchen dürfen wir natürlich auch mehr über das KATC und seine Anfänge erfahren. Wir besuchen unter anderem den Kasisi-Stausee, ohne den das KATC gar nicht existieren würde. Denn vor 50 Jahren haben die ersten Jesuiten den Staudamm errichtet, der für alle umliegenden Bauern lebenswichtig geworden ist. Während der Regenzeit fängt er das Wasser auf und speichert es für die Trockenzeit. Ein Freiwilliger aus Japan zeigt uns in dem Gewächshaus des KATC, wie er die Samen der Pflanzen züchtet und vermehrt. Mit diesen will er eine Produktion starten und sie vermehrt verkaufen und zum eigenen Verbrauch nutzen. 
Während andere in der Plastik-Station arbeiten, wovon wir uns auch durch mehrfachen Stromausfall nicht abhalten lassen, dürfen zwei von uns bei den Interviews mit ehemaligen Studenten des KATC dabei sein. Diese Interviews werden ebenso wie die Plastik-Station am Jubiläum verfügbar sein. Für das anstehende 50-Jährige Jubiläum ist es unter anderem unsere Mission, ca. 1000 Haferflockenkekse mit den „Kasisi-Oats“ zu backen und diese am Jubiläum den Gästen zu verkaufen. Weiter betreuen wir eine Station rund um Plastik-Recycling neben unserem Stand. Meist sind die Infos über „Plastik in der Natur“ schmackhafter als unsere selbst gemachten „organic oat cookies“. 
Zusätzlich teilen wir uns in Gruppen zur Kinderbetreuung an der Hüpfburg ein, was uns einiges an Nerven und Stimme kostet. Schon nach einer guten halben Stunde sind wir erschöpfter als nach dem Besuch bei der Kasisi Girls Secondary School oder einem Tag Feldarbeit. Immerhin wurden wir an der Spielestation von ca. 150 spielbegeisterten Kinder überrannt, deren Eltern an Führungen durch das Centre teilnahmen.
Insgesamt war das 50-jährige Jubiläum ein großer Erfolg, nicht nur für unseren Cookieverkauf, sondern auch für unsere Freunde Gabriel und Astrida, die am Freitag ihren Abschluss gefeiert haben. Wir freuen uns schon sie (hoffentlich) diesen Mai in Deutschland begrüßen zu dürfen.
 

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