Internationales Jesuiten-Gymnasium mit Internat für Jungen und Mädchen

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Badische Zeitung vom Donnerstag, 3. November 2008

Kolleg hat verstärkt Zulauf

KREIS WALDSHUT (ew). Seit der Einführung des achtjährigen Gymnasiums, kurz G 8, fühlen sich Schüler überfordert, und Eltern klagen über verstärkten Leistungsdruck auf ihre Kinder. Doch Institute für den Nachhilfeunterricht in der Region verzeichnen bislang keinen erhöhten Zulauf. Allerdings berichtet die Leitung des Kollegs St. Blasien, einer Privatschule, über wachsenden Andrang. Hingegen sieht man bei der Christlichen Schule Hochrhein keine erhöhte Nachfrage aufgrund von G 8.

G 8 – in diesem Zusammenhang ist von überforderten Schülern und unzufriedenen Eltern die Rede. Am deutlichsten zu spüren sind die Auswirkungen des achtjährigen Gymnasiums offenbar im Kolleg St. Blasien, einer staatlich anerkannten, freien katholischen Schule mit einem Internat für Jungen und einem für Mädchen. Schulleiter Pater Johannes Siebner spricht sogar von einer "G-8-Flucht". Anfragen kämen vor allem aus Bayern, aber auch aus anderen Bundesländern seien welche dabei. Schüler aus dem Kreis Waldshut besuchen das Kolleg als Externe. Siebner: "Beim Run auf Privatschulen muss man aber vorsichtig sein. Das ist auch ein wenig ein Mythos."

Pater Siebner sieht beim Kolleg den Vorteil, dass nachmittags für Hobbys Zeit bleibe. "Es darf sich nicht alles um Schule drehen." Möglich ist das, weil samstags Unterricht ist. "Das hat sich bei uns bewährt", so der Kolleg-Leiter. Generell sei die große Panik wegen des um ein Jahr verkürzten Gymnasiums aber vorbei. Radikale Reformen täten allerdings immer weh. Aber wer sich mit G 8 versöhnt habe, sehe dies in Baden-Württemberg auch an den staatliche Gymnasien gut umgesetzt.

Schon immer mehr Anfragen als freie Plätze hatte die Christliche Schule Hochrhein in Lörrach mit Ableger in Waldshut, wie Rektor Wolfgang Zschämisch feststellt. Eine Steigerung der Anfragen auf Grund der Diskussionen um G 8 kann er aber nicht feststellen. Und Kinder aus dem Kreis Waldshut machten nur einen kleinen Teil der Schüler aus. "Das sind weniger als zehn. Da arbeiten die Eltern meistens in Basel, und die bringen ihre Kinder nicht ausschließlich wegen G 8 zu uns." An seiner Schule, so Zschämisch, werde generell versucht, den Druck von den Kindern zu nehmen und sie mit weniger Hausaufgaben zu belasten.

Bei den Instituten für Nachhilfeunterricht ist kein vermehrter Zulauf zu registrieren. Das berichten jedenfalls die Leiter von drei Instituten in Waldshut und Tiengen. Gabi Schmidt, die mit ihrem Ehemann Martin (Lehrer in der Schweiz) in Tiengen Nachhilfe anbietet, erklärt dies aber nicht mit einem gesunkenen Bedarf. Sie sagt: "Das Geld sitzt nicht mehr so locker." Die Schüler hätten aber auch ganz einfach zu wenig Zeit, um neben dem umfangreichen Unterricht auch noch die Nachhilfe zu stemmen. Über ihre Tochter, die derzeit die siebte Klasse des Klettgau-Gymnasiums besucht, kommt sie mit Eltern ins Gespräch: "Da macht sich schon Unmut breit."

Das stellt auch Theresia Reinhard vom Institut Nachhilfe – Kinder, Eltern, Lehrer, Unterricht und Beratung aus Waldshut fest. Sie sagt, dass man das ganze Schulsystem hinterfragen müsse: "Das ist doch oft nur noch Beschäftigungstherapie." Beim G 8 sei der Druck für viele Schüler zu groß. Der Nachhilfebedarf, stellt sie wie ihre Kolleginnen und Kollegen fest, sei fachspezifisch und gelte vor allem dem Fach Mathematik. Von einem erhöhten Zulauf mag aber auch sie nicht sprechen.

Diese Erfahrung macht auch Stefan Schmidt von der Schülerhilfe Schmidt in Waldshut. "Es sind Einzelfälle. Ein riesiger Strom ist seit der Einführung" der verkürzten Gymnasiumszeit "nicht zu spüren." Doch er will beobachten, was sich mittelfristig tut.

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