Internationales Jesuiten-Gymnasium mit Internat für Jungen und Mädchen

Warum eigentlich: Die Mühle

Von der Klosterpfisterei zum Mädcheninternat - Mühlrad betrieb später auch Spinnereimaschinen

Von Claus-Peter Hilger

Alte Mühle
St. Blasien. „Der Neubau bildet im Grundriß einen rechten Winkel und besteht aus dem dreigeschossigen, in Ost-West-Richtung verlaufenden Hauptbau, der Pfisterei, an dessen Rückseite sich, dem Blick vom Konvent entzogen, die Mühle anfügt, beides mit Walmdächern versehen.“ So wird der Bau beschrieben, zu dem Fürstabt Meinrad Troger (1749 – 1764) im Jahre 1750 dem Baumeister Johann Kaspar Bagnato den Auftrag gab. Baumeister Bagnato erhielt für seine Arbeit 3750 Gulden.

Im Blick vom Klosterportal her war die Pfisterei zu sehen, die Mühle dahinter geschickt versteckt. Selbst das Mühlrad drehte sich im Inneren des Gebäudes, um die Zweckbestimmung des Hauses nicht in Erscheinung treten zu lassen.

Um den Bau am Steinenbach zu verwirklichen, musste ein altes, baufällig gewordenes Gebäude mit gleicher Nutzung abgebrochen werden.

Die „Pfisterei“ genannte Bäckerei des Klosters und die angeschlossene Mühle wurden beim Brand 1768 zerstört, aber als erster der Neubauten in voller Größe wieder aufgebaut. Bis auf einige Veränderungen an der Front steht der Bau heute noch wie im Jahr der ersten Fertigstellung 1751.

„Die Mühle“ wird in der Stadt St. Blasien der wuchtige Bau genannt, der im Winkel zwischen Umgehungsstraße und Steinenbach steht und seit 1989 das Mädcheninternat „Edith-Stein-Haus“ beherbergt.

Nach Aufhebung des Klosters wurde das Haus an die Industriellen verpachtet, die sich auch im Klostergebäude niedergelassen hatten. Während der 23jährige Schweizer Mechaniker Caspar Bodmer sich 1809 im Kloster mit einer Maschinenfabrik niederließ, richtete sich 1810 Heinrich Düggli, ebenfalls aus der Schweiz mit einer Waffenfabrik ein. Bodmer fertigte Baumwollspinn- und Webmaschinen. Als 1811 der Bankier Seeligmann, der sich später Freiherr von Eichtal nannte, in das Unternehmen einstieg, wurde in der ehemaligen Klostermühle eine Spinnerei eingerichtet.

In der Maschinenfabrik gab es im Jahre 1812 bereits 154 Beschäftigte. Weiter gab es 36 Lehrlinge, die in ihrer Freizeit beim Fabrikschreiber Unterricht in Religion und Zeichnen bekamen. In der Spinnerei in der ehemaligen Klostermühle arbeiteten 100 Kinder, die 15 Kreuzer am Tag bekamen.

Das Wasserrad der ehemaligen Mühle betrieb jetzt die Spinnereimaschinen, später wurde eine Turbine eingebaut.

Im Jahre 1868 wurde die Spinnerei in der Mühle aufgehoben, das Gebäude als Arbeiterwohnhaus umgebaut.

So war das Haus auch noch genutzt, als es der Jesuitenorden 1933 zusammen mit der Klosteranlage erwarb. Noch viele Jahre lebten hier ehemalige „Fabrikler“ und ihre Nachkommen, zahlreiche Personen hatten hier einfache Wohnungen. Nach und nach zogen dann auch Kollegs-Bedienstete in die Mühle ein, bis das Haus dann ab 1983 umgeplant und „entkernt“ wurde; nur die Außenmauern blieben stehen.

Im Kollegsbrief 1989 konnte Kollegsdirektor Pater Walter Happel SJ schreiben: „Eine Besonderheit in der Geschichte des Kollegs ist die Eröffnung des neuen Mädcheninternates im Edith-Stein-Haus, der ehemaligen Alten Mühle.“

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